„25 Jahre IB BRAASE- Oh no, that shit again!“

Das „Atelier zwischen den Grenzen“ von Ib Braase feiert dieses Jahr Jubiläum: Seit nunmehr 25 Jahren ist diese künstlerische Installation Teil der „Dansk Centralbibliotek“ in Flensburg. Ein wahrlich beachtliches Alter für ein Kunstwerk, daß geschützt hinter dicken Mauern liegt., und diesen Schutz bitter nötig hatte. Von Anfang an. Der Volkszorn kochte hier sehr hoch im Jahr 1989, als zur Einweihung Worte wie „Schande!“ und „Reine Geldverschwendung!“ gehustet wurden. Sogar ein Kunstkritiker heulte mit im Chor der Retter des guten Geschmacks.

Es nimmt Wunder, das  Ib Braases Arbeit nicht wegdiskutiert  wurde. Gerade deswegen ist der Sieg  der Vernunft umso süßer. Es steht also noch da und reflektiert in die Scheiben des Innenhofes und wird mit jedem Betrachter der es sah über die Mauern der Bibliothek hinaus berühmter. Das fragile durchlässige Werk des bis zuletzt in Paris beheimateten Künstlers hat weiterhin nichts an Strahlkraft verloren. Natürlich polarisiert es, und das ist notwendig, denn hier handelt es sich um Kunst. Braases Hof Ensemble hat im Laufe der Jahre Patina bekommen, seine künstlerische Weiterführung im geschlossenen Raum besteht noch in alter Frische. Man bedenke: Auf freiem Feld wäre dieses „Atelier ohne Grenzen“ sicherlich dem „Mob“ zum Opfer gefallen, wäre innerhalb von 24 Stunden demoliert oder zerstört worden. Das allein ruft nach einer neuerlichen Betrachtung, ist Einladung für eine erneute Annäherung. Was denn konnte die Gemüter damals derart  in Rage bringen? War es die „un-monumentale“ Form, die „improvisierte“ Leichtigkeit der Ausführung, die Tatsache, das Kunst hier auf keinem Sockel steht? War es vielleicht sogar der Titel “Atelier zwischen den Grenzen“, der viele empörte ?

Fünf  Künstler und Künstlerinnen beiderseits der Dänisch-Deutschen Grenze haben sich auseinandergesetzt mit dem Phänomen Ib Braase. Unter dem Titel

„25 Jahre Ib Braase- Oh no, that shit again !“ laden sie zum schauen, diskutieren und mitmachen ein. Sie werden das Experiment „Atelier ohne Grenzen“ zusammen mit interessierten Besuchern  hinterfragen und bearbeiten. Es ist teils als Ausstellung teils als Workcamp geplant, alles unter dem Dach der „Dansk Centralbibliotek“ bezugnehmend auf Ib Braases Werk.

 

Anka Landtaus Arbeit fordert spielerisch den Besucher auf: Denk-mal-Braase. Sie stellt dem Atelier Braase ihres gegenüber. Sie fragt nach: „Evolution und Kunst, welchen Sinn macht das denn ? War er vielleicht schon vorher?... Folgen wir einem kosmischen Gesetz, das Kunst entstehen lässt wie Natur ?“

Christiane Limper fragt nach wie angreifbar sich ein Künstler durch sein Werk machen kann.

Sie experimentiert dazu mit dem Thema Selbstporträt: „ Denn jeder Künstler gibt durch seine Arbeit etwas persönliches von sich selbst Preis und setzt sich so auch mit seiner Person der Kritik des Betrachters aus.“

Auch das Publikum wird von Christiane Limper persönlich angesprochen: In einer Umfrage zumThema Vaterfigur greift sie thematisch auf, daß auch der abstrakten Installation von Ib Braase eine persönliche Auseinandersetzung mit seinem Vater und dessen Arbeitsplatz zugrunde liegt.

Johannes Caspersen möchte in drei Schritten Bewegung in eingefahrene Sichtweisen bringen:

„Bewegung verändert Bezugspunkte. Wahrnehmung sucht nach Veränderung. Schon ein (Bau-)

Gerüst allein kann Hoffnung auf Veränderung machen. Ein in der Ausstellung aufgebautes Gerüst wird expandieren.“ Dabei nimmt Caspersen Bezug auf die äußere Form des Werks von Ib Braase. Gleichzeitig wird Caspersen Räume überwinden, und  Kunst in Fahrt bringen indem er den Ausstellungsraum erweitert und den Fahrstuhl der Bibliothek miteinbezieht.

Das ausgestellte Motiv des Herzens (Das Herzstück) impliziert eine Neue Sicht auf den Status Quo: Nach einem Zeitalter des „Grauen Stars“erfolgt durch „Blinden Haß“ möchte ich die „Grenzenlose Schule des Wieder-Sehens“/ „Grænseløs skole på se igen“ gründen, deren Motto ist:„ Man sieht nur mit dem Herzen gut!“(nach Saint Exupery).

Kim Olesens Arbeiten beschäftigen sich mit Randzonen, also offenen Räumen, wo schwer erkennbar ist, ob etwas aufgebaut oder abgerissen wird. Diese Gebiete sind geprägt von ständiger Transformation:

Material verändert sich ,wird zerlegt, zerfällt, wird Teil von etwas anderem. Diese Verwandlung ist ein Prozeß der sich selbst überlassen ist und also nicht vorhersehbare Form oder Un-Form zur Folge hat. Randzonen haben viel mit Rückeroberung von Natur zu tun, sind von natürlichen Prozessen geprägt. Kim Olesens Werke scheinen diese organische Wandlung zu beschreiben. Was bleibt ist die verletzliche offene Form . (Diese aber wird folgerichtig Teil eines größeren Form-Raums sein.)

 

Rick Towle arbeitet sehr eng am Werk Ib Braases. Er setzt Braases Titel “Atelier zwischen den Grenzen“ in einen neuen Kontext in Bezug auf  Geschichte und Kultur der Grenzregion. Rick Towles „Atelier ohne Grenzen“ ist ein Kommentar zur Idee von Skulptur und Monument im öffentlichen Raum. Rick Towle vertritt einen kritischen Standpunkt  zur öffentlichen Debatte um Ib Braases Werk vor 25 Jahren . Damals wünschte ein Teil der Besucher die Skulptur aus dem Innenhof der Dansk Centralbibliotek zu entfernen.

(Script : Johannes Caspersen)

Zur Ausstellung ist eine Kunstmappe aller fünf teilnehmenden Künstler entstanden:

Jede Mappe enthält 5 Originale, nummeriert, auf  Echt Büttenpapier (440g).Format: 28 x 38 cm.

Die Auflage beträgt 25 Stück. Preis: € 250,--(incl.USt)

Bei Rückfragen:

Bildhauer
Johannes Caspersen
Frösleeweg 2
D-24939 Flensburg

Tel: 0461-13778
Mobil:0179-2497564
Mail: kunst(at)johannes-caspersen.de
Web: johannes-caspersen.de