Gerahmt

Kuh und Kunst

Kunst im Sinne von Bild und Rahmen ist unsere persönliche Höhlenmalerei. Raumschmuck in Goldrahmen. Das Bild vom Bild aus vergangenen Tagen. Das Auge als Wahrnehmungssinn wichtiger Bestandteil in der Verarbeitung der Wirklichkeit. Das Auge, dass sich so leicht täuschen lässt. Das Auge, über das sich Harmonien und Disharmonien aus Farbe und Formen, Ordnungen und Brüchen, Gesten und Mimik ins Unbewußte einmischen.

Was mich an der Kuh am meisten fasziniert: Der Blick und die Gelassenheit. Das Blinde und die Schreckhaftigkeit. Sie erdulden alles und spiegeln uns in unserem Effizienzwahn.

Auf Pressholzplatten, die von Anke Müffelmanns Arbeit zurück geblieben sind, erscheinen "Meine" Kühe aus dem Stalldunkel der Grundierung. Ich rahme die Augen von Oktober, das Euter von Monalisa und das Kalb. Das Kalb, welches als letztes geboren wurde und bei der Mutter blieb, bis es zu groß und unhandlich zu werden drohte. Das Kalb, dessen Mutter nicht mehr lebt, weil sie noch jung und gut im Fleisch war, und die Milchquote schon ausgereizt. Wir wollen ja weniger Kühe, weniger Umweltbelastung. Aber auch billige Milch, billigen Käse, billiges Fleisch. Alles Dinge, die ich künstlerisch nicht wirklich thematisiere, die mir aber bei einem Vierteljahr Kuh(nst)arbeit deutlich vor Augen geführt werden.

"Meinen" Kühen geselle ich eine Figur zu, die ich nachgearbeitet habe. "Wir vom Lande" ist das erste Mal 1992 als Kleinplastik entstanden und verkauft worden. Jetzt habe ich mich daran erinnert. Kuh und Frau - Frau und Kuh. An ihr stützt sich der Rahmen von dem Kalb. Sollte Kunst nicht eher aus dem Rahmen fallen?

Für diese Forderung habe ich die Heusilage Ballen besprüht. damit wollte ich die Kühe symbolisch wieder auf die Weide bringen. Eine ist sogar ausgebrochen. In der Au hat sie sich versteckt, ist aber wieder eingefangen worden.